Werner-Otto-Preis 2015

Werner-Otto-Preis 2015

Die Alexander Otto Sportstiftung hat zum fünften Mal den mit insgesamt 30.000 Euro dotierten Werner-Otto-Preis im Hamburger Behindertensport verliehen. Ausgezeichnet wurde das inklusive Sportangebot der Gretel-Bergmann-Schule in Hamburg-Allermöhe. Die Jury würdigte die Initiative der Gretel-Bergmann-Schule, weil sie ein Beispiel für gelebte Inklusion im Schulsport ist und ihre Initiatoren dabei großartiges Engagement zeigen. Die Auszeichnung ist mit einem Preisgeld von 15.000 Euro verbunden.

Anerkennungen mit Preisgeldern in Höhe von je 5.000 Euro erhielten die Tanzgruppe Herde für ihr langjähriges inklusives Tanzangebot, der SVE Hamburg von 1880 e.V. für die Übertragung eines erfolgreichen Inklusionskonzeptes auf einen neuen Stadtteil und der Pinneberger Tennisclub e.V. für sein Tennisangebot an geistig behinderte Kinder.

Eine Fachjury, der u.a. die Hamburger Paralympic-Siegerin Edina Müller angehörte, kürte die Gewinner. Preiswürdig waren Projekte im Bereich des Behindertensports in Hamburg und der Metropolregion, die zur Inklusion und Förderung behinderter Menschen im Sport beitragen. Die Preisverleihung fand im Rahmen eines Senatsempfangs im Beisein von Sportstaatsrat Karl Schwinke, Alexander Otto sowie rd. 150 Gästen aus Hamburgs Sport, Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien im Hamburger Rathaus statt.

 

Gewinner: Gretel-Bergmann-Schule

Mit dem Werner-Otto-Preis wurde das inklusive Sportangebot der Gretel-Bergmann-Schule in Hamburg-Allermöhe ausgezeichnet. In einem bisher einzigartigen Projekt entwickelt die Gretel-Bergmann-Schule gemeinsam mit dem Sportverein Allermöhe in Arbeitsgemeinschaften und Nachmittagskursen Konzepte zur Integration von Behindertensportarten in den Schulsport. Ziel des Projektes ist es, Sportangebote für den Schulsport zu schaffen, die gemeinsam von Lernenden mit und ohne Behinderung gleichberechtigt wahrgenommen werden können. Im ersten Schritt werden dabei Konzepte für die Sportarten Goalball, Blindenfussball und Rollstuhlbasketball entwickelt. Die Sportlehrer erfahren dabei Unterstützung von Experten mit Behinderung. Sie leiten die Übungsgruppen und geben ihr Know-how an die Lehrkörper weiter. Darüber hinaus sind die Sportarten in das Angebot des schulinternen Sportcurriculums aufgenommen worden und allen Lehrerinnen und Lehrern werden Fortbildungen angeboten. Mit der Aufnahme des Behindertensports in den Schulsport wird den behinderten Schülerinnen und Schülern die Chance gegeben, gleichberichtigt am Sportunterricht teilzunehmen und sich auf Augenhöhe mit Ihren Mitschülern zu messen. Benötigen Lernende mit Behinderung im klassischen Sportunterricht häufig eine besondere Betreuung, können sie in ihren Sportarten als Experten auftreten und wertvolle Tipps und Erklärungen geben – sie wechseln die Seite vom „Betreuten“ zum „Betreuer“. Gleichzeitig werden die Lernenden ohne Behinderung für den Umgang mit gehandicapten Menschen sensibilisiert. So nimmt der Sport Berührungsängste, baut Hürden ab und verbessert das inklusive Zusammenleben an der Schule. Der Preis ist mit 15.000 Euro dotiert.

 

Anerkennung: Inklusive Tanzgruppe Herde

Gewürdigt wurde die Tanzgruppe Herde, die über Jahrzehnte durch ehrenamtliches Engagement einen wichtigen Beitrag zur Inklusion behinderter Menschen im täglichen Leben leistet. Im Mittelpunkt des Tanzangebots steht seit 35 Jahren das Miteinander von behinderten und nichtbehinderten Tanzpartnern. Die bis zu 50 Tanzschüler freuen sich über die Erfolge und verbessern dabei ihre motorischen Fähigkeiten. Die Tanzgruppe leistet aber auch einen wichtigen Beitrag bei der Integration in das alltägliche Leben. Mussten die Behinderten früher bei Familienfeiern zuschauen, wenn alle anderen das Parkett stürmten, sind sie heute die ersten auf der Tanzfläche. So auch bei dem Höhepunkt des Jahres, wenn die Tanzgruppe auf einem Abschlussball im CCH das inklusive Tanzen der Öffentlichkeit präsentiert. Der langjährige Erfolg der Tanzgruppe beruht dabei auf den vielen Ehrenamtlichen, die die Gruppen betreuen und als Tanzpartner zur Verfügung stehen. Die Anerkennung ist mit einem Preisgeld von 5.000 Euro verbunden.

 

Anerkennung: SVE Hamburg von 1880 e.V.

Eine Anerkennung erhielt der SVE Hamburg von 1880 e.V. für die Übertragung seines erfolgreichen Inklusionskonzeptes in die im Jahr 2014 eröffnete, barrierefreie Sporthalle in Alsterdorf. Die Inklusionssportabteilung des SVE ist mit über 380 Sporttreibenden die mitgliederstärkste in Norddeutschland und der SVE damit vielen anderen Sportvereinen weit voraus. Das in der täglichen Arbeit gewonnene Know-how gibt der SVE an andere Sportvereine und Institutionen beim Auf- und Ausbau von inklusiven Angeboten weiter. Im letzten Jahr hat die Alexander Otto Sportstiftung die behindertengerechte Sporthalle in Hamburg Alsterdorf als Leuchtturmprojekt für den inklusiven Sport in der Hansestadt Hamburg ausgezeichnet. Diese hervorragende Sportstätte füllt sich nun mehr und mehr mit Leben. Dies ist auch ein Verdienst des SV Eidelstedt. Bereits drei Monate nach der ersten Kontaktaufnahme haben sich sechs inklusive Sportgruppen gebildet. Es zeigt sich, dass die Nachfrage längst nicht befriedigt ist und daher arbeitet der SVE daran, weitere Sportgruppen aufzubauen. Inzwischen hat der Verein eine Sportwissenschaftlerin als inklusive Fachkraft fest eingestellt, um die Arbeit des ehrenamtlichen Betreuerteams zu koordinieren und den Kontakt in den Stadtteil zu pflegen. Dies verdeutlicht den Willen des Vereins, den inklusiven Gedanken in Alsterdorf fest zu verankern. Die Anerkennung ist mit einem Preisgeld von 5.000 Euro verbunden.

 

Anerkennung: Pinneberger Tennisclub e.V.

Eine weitere Anerkennung wurde dem Pinneberger Tennisclub e.V. für das Sportangebot an geistig behinderte Kinder ausgesprochen. Der Pinneberger TC hat eine AG für Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung ins Leben gerufen. Wöchentlich trainieren diese unter Anleitung von lizensierten Trainern Koordination und Geschicklichkeit. Der Verein stellt dabei die Tennisausrüstung und Trainingszeiten kostenfrei zur Verfügung. Eine Kooperation mit der Heidewegschule in Appen, eine Förderschule mit dem Schwerpunkt geistiger Entwicklung, ermöglicht allen interessierten Schülerinnen und Schülern an dem Tennisprojekt teilzunehmen. Die Schule organisiert den Transport und die Betreuung. Zum einen wird die Feinmotorik der Tennisschüler gefördert und zum anderen erleben sie Erfolgserlebnisse, auf die sie stolz sein können. Seit zwei Jahren nehmen die Kinder am Vereinsleben teil. So besuchen die Kinder vereinsinterne Veranstaltungen, spielen bei Turnieren und kämpfen bei den Stadtmeisterschaften für ihren Verein. Die Anerkennung ist mit einem Preisgeld von 5.000 Euro verbunden.

 

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Auszeichnung: Tanzgruppe Herde
Auszeichnung: SVE Hamburg e.V.
Auszeichnung: Pinneberger Tennis-Club e.V.